Südwestpresse, 23.06.2008
Patenschaft für Flüchtlinge
München nennt sich selbst gern die "Weltstadt mit Herz". Jetzt hat die Stadt eine Patenschaftsaktion für Flüchtlinge gestartet.
Die bayerische Landeshauptstadt feiert in diesem Jahr ihr 850-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass, um ein Zeichen für humanitäre Hilfe zu setzen, findet der Bayerische Flüchtlingsrat und startete die Kampagne "Save me" (Rette mich). Er hat die Bürger der Stadt dazu aufgerufen, die Patenschaft für 850 Flüchtlinge zu übernehmen. "Wir wollen keine bloßen Lippenbekenntnisse", sagt der Flüchtlingsrat. Inzwischen haben sich mehr als 850 Münchner gemeldet, die als Paten Hilfe bei der Eingliederung ankommender Flüchtlinge geben wollen, indem sie Unterstützung im Alltag leisten. Auch die Stadt macht mit. Das hat der Sozialausschuss einstimmig beschlossen. München will bis zu 850 Flüchtlinge aus einem Sonderprogramm der Vereinten Nationen für religiös und politisch verfolgte Minderheiten aufnehmen, wenn sich die Bundesrepublik daran beteiligt. Zuletzt hat Deutschland vietnamesische Boatpeople und Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Bosnienkrieg aufgenommen. Jetzt geht es vor allem um die Aufnahme verfolgter Christen aus dem Irak. Das Amt für Wohnen, Integration und interkulturelle Arbeit soll die Koordination der Patenschaften übernehmen und das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge aktiv fördern. Der Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker bezeichnete es als ein "herausragendes Zeichen einer Großstadt, sich in Zeiten der Abschottung bereit zu erklären, ihren Verpflichtungen zur internationalen Hilfe nachzukommen." Marian Offman, sozialpolitischer Sprecher der CSU im Stadtrat, sprach von einer "wichtigen humanitären Geste" und Matthias Weinzierl vom Bayerischen Flüchtlingsrat findet: "Damit hat München ein deutliches Signal für den Flüchtlingsschutz in Deutschland gesetzt." Inzwischen haben zahlreiche Städte, darunter auch Berlin, die Münchner Kampagne aufgegriffen. Zum Nulltarif sei "Save Me" nicht zu haben, betonte Münchens Sozialreferent Friedrich Graffe (SPD), der den Antrag unterstützte. München hat Erfahrung mit 21 000 Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien. Deren Integration wäre ohne die vielfältigen Initiativen rund um die Flüchtlingsunterkünfte nicht gelungen.
IRIS HILBERTH

