Termine

Aktuell sind keine Termine vorhanden.

Münchner Merkur, 25.02.2008

850 Flüchtlinge zum Stadtgeburtstag

Projekt „Save me": München soll anlässlich des historischen Datums Menschen aus Krisenregionen dauerhaft aufnehmen

Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat ist hartnäckig, auch wenn er mit seiner Idee nicht bei jedermann auf grenzenlose Begeisterung stößt. „Wenn erst mal die Bereitschaft da ist, gibt es für die Probleme auch Lösungen." Dünnwald will, dass die Stadt München sich anlässlich ihres 850. Geburtstags bereit erklärt, 850 Flüchtlinge aus einer Krisenregion der Welt dauerhaft aufzunehmen. „Save me - Eine Stadt sagt ja" nennt sich das Projekt, das der Flüchtlingsrat mit Unterstützung der Kammerspiele, des Münchner Flüchtlingsrats und der Flüchtlingsorganisation „refugio" gestartet hat.
Gemeinsam will man den Stadtrat überzeugen, eine bestimmte Zahl Flüchtlinge aufzunehmen und diese Bereitschaft dem Freistaat zu signalisieren. Freistaat und Bundesinnenministerium müssten nämlich ihre Zustimmung geben. Letztlich will Dünnwald eine bundesweite Bewegung in Gang setzen. Dann könne sich Deutschland Staaten wie den USA, Australien, Neuseeland, Kanada Schweden, Norwegen oder Dänemark anschließen, die bereits ein festes Flüchtlingsaufnahmeprogramm haben.
Neben der Politik ist auch die Münchner Bevölkerung aufgerufen, Patenschaften für die Kampagne zu übernehmen. Wer sich im Internet unter www.save-me-muenchen.de als Pate einträgt, erklärt sich bereit, einem der Flüchtlinge einen guten Start in seiner neuen Heimat zu ermöglichen, indem er ihn etwa beim ersten Behördenkontakt unterstützt oder ihm die Stadt zeigt. Rund 270 Münchner sind bereits Paten.
Ob der Stadtrat tatsächlich 850 Flüchtlinge nach München holt, äst aber die Frage. Einzig die Grünen stehen voll hinter dem Projekt, wie Fraktionschef Siegfried Benker betont. "München hat die Struktur zur Aufnahme der Flüchtlinge." Die „Festung Europa" könne sich nicht immer weiter verschließen. So waren es auch die Grünen, die bereits einen entsprechenden Antrag gestellt haben.
Die anderen Parteien sind eher skeptisch. „Es wird schwierig, den Stadtrat zu überzeugen", sagte Hans Wolfswinkler (CSU) bei der Vorstellung des Projekts in den Kammerspielen. „So nett der Gedanke auch ist, er verursacht Arbeit und Kosten." Stadtrat Christian Müller (SPD) sieht besonders in der Zahl 850 ein Problem. „Da es hier um dauerhafte Ansiedlung geht, reichen Gemeinschaftsunterkünfte nicht aus. Und 850 Wohnungen zusätzlich werden wir nicht zur Verfügung stellen können." Ähnlich äußerte sich Nadja Hirsch von der FDP-Fraktion: „Man sollte lieber nur 400 Flüchtlinge aufnehmen, die man dafür dann gut versorgen kann." Dünnwald ist die Höhe der Zahl 850 natürlich bewusst. „Aber im Jahr des Stadtgeburtstags ist das eine gut kommunizierbare Zahl und sie ist auch nicht gänzlich unrealistisch." Angesichts der großen Flüchtlingsströme sei die Aufnahme von 850 Menschen ohnehin „noch nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein". „Resettlement", so die internationale Bezeichnung für die dauerhafte Aufnahme von Flüchtlingen aus Krisenregionen, sei nur ein zusätzliches Instrument, um „eine Brücke in die Flüchtlingslager zu schlagen". Deshalb passe die Kampagne auch ideal zum Motto „Brücken bauen", das sich München zum 850. Geburtstag auf die Fahnen geschrieben hat. Dünnwald will jedenfalls hartnäckig bleiben.

Sven Bremert

Zurück