Termine

Aktuell sind keine Termine vorhanden.

Süddeutsche Zeitung, 16.02.2008

Flüchtlinge suchen Paten in München

Zum Stadtgeburtstag sollen 850 Menschen Schutz finden
Die Grünen im Rathaus unterstützen die Kampagne des Bayerischen Flüchtlingsrats zur Aufnahme von 850 Flüchtlingen in München, anlässlich des 850. Stadtgeburtstages. Die Aktion läuft unter dem Titel „Save me - Eine Stadt sagt ja". Im Rahmen einer sogenannten Resettlement-Aktion sollen die Flüchtlinge außerhalb des normalen Asylverfahrens Schutz finden. Dazu sollen 850 Bürger Patenschaften übernehmen, wünscht sich Stephan Dünnwald vom Flüchtlingsrat. In der Vergangenheit hat Deutschland schon mehrmals Flüchtlingskontingente aufgenommen, etwa vietnamesische Boatpeople oder jüdische Kontingentflüchtlinge aus Russland. Dies soll künftig regelmäßig geschehen, fordern bundesweit Flüchtlingsorganisationen, ohne bestimmte Herkunftsländer zu nennen. Die Personen bekommen in der Regel für mehrere Jahre einen sicheren Aufenthaltsstatus.
Siegfried Benker, Chef der Rathaus-Grünen, will die Aktion auf politischer Ebene unterstützen. Die Stadt solle bei der Bundesregierung darauf dringen, dass diese an einer vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen geforderten Resettlement-Aktion teilnimmt, fordert er in einem Stadtratsantrag. Das Amt für Wohnen und Migration solle mit den Wohlfahrtsverbänden und Flüchtlingsorganisationen die Patenschaften koordinieren. Hintergrund der Aktion seien die weltweit wachsenden Flüchtlingsströme, während Europa seine Grenzen immer mehr zu einer Festung ausbaue. Laut Benker sei auch in München die Zahl der Flüchtlinge auf dem niedrigsten Stand seit vielen Jahren.
Bisher haben sich laut Flüchtlingsrat bereits mehr als 200 Personen zu einer solchen Patenschaft bereit erklärt, darunter auch Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. „Ich befürworte diese Aktion, weil es sich bei Flüchtlingen nicht um Wegwerfmenschen, um eine Art Menschenmüll handelt (so werden sie nämlich oft behandelt), sondern um eine Bereicherung der Gesellschaft", schreibt die österreichische Schriftstellerin, die zeitweise in München lebt. Im Rahmen einer solchen Patenschaft sollen die Flüchtlinge bei ihrem Start in ein neues, sicheres Leben begleitet werden, etwa beim Gang zu Behörden oder beim Lernen der Sprache. Eine finanzielle Verpflichtung ist damit nicht verbunden. Nähere Informationen zur Kampagne im Internet unter www.save-me-muenchen.de oder unter Telefon 76 22 34.
Bernd Kastner

Zurück