Arabischer Frühling - arabischer Winter
Die politischen Umbrüche in der Arabischen Welt zwingen viele Menschen zur Flucht. Das syrische Regime geht trotz internationaler Proteste mit unverminderter Härte gegen Demonstranten vor; immer mehr Syrer suchen Zuflucht in der Türkei. In den Lagern Yayladagi und Reyhanli harren etwa 7000 syrische Flüchtlinge aus, die vom türkischen Roten Halbmond (Pendant zum Roten Kreuz) notdürftig versorgt werden.
Flüchtlinge müssen in Libyen Übergriffe fürchten
Auch in Libyen ist die Stimmung nach dem Sturz Muammar Gaddafis weiterhin äußerst angespannt. Welche Politik dem autoritären Regime folgt, weiß keiner so genau. Ein demokratisches System ist sicher noch in weiter Ferne. Schwierig ist die Situation für die vielen Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea, Sudan und den Ländern des südlichen Afrikas, die vor Kriegen in ihren Heimatländern nach Libyen geflohen waren. Da Gaddafi im Zuge des Bürgerkriegs Söldner aus afrikanischen Ländern anheuerte, stehen Schwarzafrikaner unter dem Generalverdacht dem gestürzten Regime gedient zu haben. Sie sind Diskriminierungen und gewaltsamen Übergriffen schutzlos ausgeliefert. Auch Flüchtlinge, die von UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) bereits als besonders schutzbedürftig eingestuft worden waren und seit Monaten oder Jahren auf einen Resettlement-Platz warten, müssen Racheakte aus der libyschen Bevölkerung fürchten. Viele sitzen deshalb noch immer in Flüchtlingslagern hinter der libyschen Grenze fest.
Gestrandet im Nachbarland
Den Hauptteil der Flüchtlinge, die aus der Umsturzregion fliehen, nehmen die Nachbarländer auf. Dort gibt es jedoch langfristig keine Perspektive für sie. Da die europäische Staaten bisher viel zu wenig Aufnahmeplätze für Flüchtlinge anbieten und auf die dringenden Forderungen von UNHCR nur verhalten reagieren, sehen viele Menschen nur einen Ausweg: die lebensgefährliche Flucht über das Mitteleer. Mehr als 2.000 Flüchtlinge sind dabei seit Anfang 2011 ums Leben gekommen. Alte Flüchtlinge, sowie Frauen und Kinder haben oftmals gar keine Chance aus der Region zu fliehen. Die Lager sind völlig überfüllt und es kommt immer wieder zu übergriffen. Vor einigen Monaten stand Choucha, ein Flüchtlingslager an der tunesisch-libyschen Grenze, in den Schlagzeilen. Flüchtlinge Berichten hier von ihrem Leben in dem Lager.
Flüchtlinge aufnehmen
Auf der Innenministerkonferenz am 9. Dezember 2011 hat Deutschland beschlossen in das Resettement-Programm der Vereinten Nationen einszusteigen. Über die nächsten drei Jahre hinweg sollen jeweils 300 schutzbedürftige Flüchtlinge bei uns aufgenommen werden. Ein Erfolg, der auch dem unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen in den diversen save me Städten, zu verdanken ist. In Zukunft wird es darum gehen den Neuankömmlingen bei ihren ersten Schritten in Deutschland zur Seite zu stehen und sich dafür einzusetzen, dass das jährliche Kontingent noch erhöht wird. Denn auch wenn der Einstieg Deutschlands ins Resettlement-Programm ein großer und überraschender Erfolg ist, ist klar, dass ein Kontingent von 300 Flüchtlingen jährlich der Verantwortung und den Möglichkeiten Deutschlands bei weitem nicht gerecht wird.

